1. Anamnese
Bei der Anamnese wird die Geschichte des Tieres bezüglich vergangenen und gegenwärtigen Krankheiten, Verletzungen, Symptome und Verhaltensprobleme aufgenommen. Des Weiteren liefern die tägliche Routine, Training, Bewegung und Fütterung des Patienten weitere wichtige Anhaltspunkte. Diese Informationen können Einblicke in mögliche Ursachen der Probleme/Verletzungen geben und helfen diese in Zukunft zu vermeiden.

2. Statische Beurteilung/Palpation
Zur Bestimmung von muskuloskeletalen Asymmetrien, wie Muskelatrophie/Störungen oder Differenzen zwischen der linken und rechten Seite, wird eine vollständige statische Beurteilung des Tieres vorgenommen. Dazu wird das Tier im Ganzen auf Spannungsunterschiede (unterschiedlicher Muskeltonus), Verspannungen, Wärme oder Schwellungen kontrolliert. Dabei können auch kleinere Verletzungen, ungewöhnliche Huf-, oder Krallenabnutzung auf eine von der Norm abweichende Biomechanik hinweisen.

3. Ganganalyse
Um die entsprechenden Bewegungsmuster zu erkennen, wird das Tier an der Hand im Schritt und Trab auf einer geraden sowie gebogenen Linie beurteilt. Bei Pferden kann es zudem notwendig sein, die Analyse an der Longe oder unter dem Sattel zu erweitern. Die Gangbeurteilung gibt Hinweise auf Lahmheit, ungewöhnliche Bewegung, Schwächen, Unterschiede im Gangmuster oder der Platzierungen der Gliedmassen. Zugrunde liegende Probleme oder kompensatorischen Veränderungen der Bewegung können somit offenbart werden. Besonders im Schritt werden Unregelmässigkeiten deutlich, da diese Gangart durch reine Muskelkoordination-/kraft ausgezeichnet ist. (Im Trab und Galopp übernehmen Impuls und Schwung einen Teil der Bewegungsarbeit).

Wenn nötig, werden Tiere zur schulmedizinischen Lahmheitsdiagnostik zurück zum Haustierarzt überwiesen.

4. Behandlung
Die Ausgangsbeurteilung und Analyse bestimmt die Behandlungstechnik. Es können sowohl Mobilisations-, Faszial-, Adjustments-, Set-and-hold-, sowie Massagetechniken zum Einsatz kommen. Abhängig vom Tier wird in der Regel im Beckenbereich oder dem Genick begonnen. Anschliessend wir die Wirbelsäule abgetastet, die Rippen und auch die Gelenke kontrolliert. In Absprache mit dem Besitzer unterstütze ich meine Behandlung gerne durch Kinesio Tapes, Akupunktur und Homöopathie.

5. Wiederbeurteilung
Um den durch die Behandlung neugewonnenen Bewegungsablauf besser im Gehirn des Patienten zu verankern, bitte ich den Pferdebesitzer während oder nach der Behandlung das Pferd nochmals für mindestens 5 Minuten zu bewegen. Die wiederholte Ganganalyse ermöglicht mir den Bewegungsablauf erneut zu analysieren und den Behandlungserfolg zu überprüfen. Besonders bei nervösen Pferden führt die zwischenzeitliche Bewegung auch zu mehr Ruhe und zur besseren Kooperation.

6. Nachbehandlung/Hausaufgaben
Bevorzugt verlange ich für meine Patienten 1-2 Tage Ruhe/Weidepause, damit sich das Bewegungssystem in Ruhe umstellen kann und Muskelkater vorgebeugt werden kann. Obwohl die Behandlung nicht nach „viel Aktion“ aussieht, ist die Muskelarbeit des Patienten während der Anwendung beträchtlich.

Am Ende jeder Behandlung erhält der Besitzer massgeschneiderte «Hausaufgaben» für sein Tier. Diese Übungen/Arbeitsprogramme, etwaige Massagen, oder Stretching unterstützen die Heilung und Beweglichkeit des Tieres. Sie sind sehr wichtig und bilden ein grundlegender Bestandteil der Rehabilitation! Gerne empfehle ich bei Bedarf auch die Gabe von Traumeel/Arnica Comp. oder andere Homöopathika für einige Tage nach der Behandlung.

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